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Erbkrankheiten - Progressive Retinaatrophie

Die progressive Retinaatrophie (PRA) ist eine erbliche Erkankung der Netzhaut des Auges, bei der die Sehzellen nach und nach absterben. Sie resultiert in einer vollständigen Zerstörung der Netzhaut und führt dadurch zur Erblindung der betroffenen Tiere.
Die Zerstörung beginnt erst in einem Alter zwischen 1,5 und 6 Jahren, betroffene Katzen haben also als Jungtiere ein normales Sehvermögen.

Die PRA ist bei verschiedenen Hunderassen bekannt, bei Katzen galten bisher nur Abessinier- und Somalikatzen als betroffen.
Eine 2009 durchgeführte Studie an 846 Katzen verschiedener Rassen kommt allerdings zu einem erschreckenden Ergebnis: auch orientalische Katzen sind betroffen, ein Drittel der getesteten Orientalen trug mindestens ein Allel des mutierten Gens! Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dies die Verhältnisse in der tatsächlichen Population abbildet.

Verantwortlich für die PRA ist eine Genmutation, rdAc genannt. Sie wird autosomal rezessiv und unabhängig von der Fellfarbe vererbt.
Daraus folgt, dass es betreffend der PRA drei verschiedene Genotypen gibt:

N/N – frei (negative). Die Katze ist gesund und hat kein Risiko, an der erblichen PRA zu erkranken. Sie kann kein mutiertes Gen an ihre Nachkommen vererben.
N/rdAc – Träger (heterozygous carrier). Diese Katze trägt eine Kopie des mutierten Gens. Sie hat selbst kein Risiko zu erkranken, gibt aber mit 50% Wahrscheinlichkeit das mutierte Gen an ihre Nachkommen weiter. Solch eine Katze darf auf keinen Fall mit einer ebenfalls PRA-tragenden Katze verpaart werden, da die Nachkommen zu 25% PRA-betroffen (s.u.) wären. Für eine Träger-Katze sollte immer ein freier Partner gesucht werden.
rdAc/rdAc– betroffen/positiv (homozygous positive). Diese Katze hat zwei Allele des mutierten Gens. Sie wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an PRA erkranken und erblinden. Zudem gibt sie die Mutation mit Sicherheit an ihre Nachkommen weiter. Eine solche Katze sollte, wenn überhaupt, nur mit einem mutationsfreien Partner verpaart werden.

Zum Glück für alle Züchter und Liebhaber gibt es seit 2007 einen Gentest, mit dem sich der rdAc-Genotyp einer Katze einwandfrei bestimmen lässt.
Aus diesen Gründen halte ich es für erforderlich, dass angehende Zuchttiere auf PRA getestet werden und ihre Verpaarungspartner entsprechend des Ergebnisses ausgewählt werden.

Es ist wichtig zu wissen, dass Trägertiere (N/rdAc) nicht erkranken, also phänotypisch gesund sind und deshalb ohne Einschränkungen als Liebhabertiere leben können.
Lediglich die Zucht mit ihnen ist - wie beschrieben - gewissen Bedingungen unterworfen und sollte gut geplant sein.

Eine Freiheit von der rdAc-Mutation bedeutet nicht, dass eine Katze niemals eine Augenerkrankung bekommen wird. Leider sind noch nicht alle Gene für erbliche Erkrankungen entschlüsselt und es gibt außerdem Krankheiten, die keine erbliche Ursache haben.

Aktuell: Hier finden Sie eine Liste der Stammbaum-Datenbank Pawpeds, in der alle dort als getestet registrierten Orientalen eingetragen sind. Mit einem Klick auf das "h" (=Health Info =Gesundheitsinformation) erfahren Sie wann, in welchem Labor und mit welchem Ergebnis die Katze getestet wurde. Die Übersetzungen für die Ergebnisse stehen auf dieser Seite in der Tabelle.
Erschreckend viele Katzen sind zumindest Träger, einige auch betroffen. Ich hoffe im Interesse der Katzen, dass diese Ergebnisse noch mehr Züchter zum Testen bewegen werden.