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Erbkrankheiten - Einleitung

Wie alle anderen Lebewesen können Katzen krank werden. Viele Erkrankungen lassen sich heute unterbinden oder zumindest abmildern, zum Beispiel durch Impfungen, optimierte Haltungsbedingungen und gute Ernährung.
Manche Krankheiten wiederum lassen sich nicht verhindern, manche nicht einmal heilen.
Es gibt vielfältige Ursachen für Krankheiten, viele davon sind heute noch gar nicht bekannt.

Aber es gibt eine Gruppe von Krankheiten, bei denen bekannt ist, dass ihr Ursprung in einer Mutation (oder mehreren) der DNA liegt, und sie somit an die Nachkommen eines Tiers weitergegeben, also vererbt werden: die Erbkrankheiten.
Ob das Elterntier krank ist und ob die Nachkommen krank werden, hängt davon ab, auf welche Art die Mutation vererbt wird.
Dazu gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: dominant und rezessiv.

Eine dominant vererbte Erkrankung wird in jedem Fall ausgeprägt. Tiere, die diese Erkrankung haben, sollten in jedem Fall aus der Zucht genommen werden bzw. gar nicht erst eingesetzt werden. Ein Beispiel hierfür ist die Polyzytische Nierenerkrankung (PKD).
Die Möglichkeiten, eine solche Erkrankung zu entdecken, sind vielfältig. Im Falle der PKD geschieht dies über eine Ultraschalluntersuchung oder über einen Gentest.
Steht kein Gentest zur Verfügung und kann die Krankheit auch nicht im Vorhinein untersucht werden (oder wurde dies versäumt), so muss spätestens mit der Diagnose bei der betroffenen Katze diese aus der Zucht genommen werden und bereits in der Zucht befindliche oder dafür vorgesehene Nachkommen sollten untersucht und gegebenenfalls auch aus der Zucht genommen werden.
Auf diesem Wege lassen sich dominante Erbkrankheiten extrem schnell bekämpfen und es ist verwunderlich, dass sich PKD seit Jahren in der Rassekatzenpopulation hält.

Rezessiv vererbte Krankheiten lassen sich weitaus schwieriger bekämpfen, solange es keinen Gentest gibt oder dieser nicht flächendeckend angewandt wird. Die Trägertiere, die selbst nicht erkranken, aber ein mutiertes Allel tragen, können dieses unerkannt in der Population verbreiten, bis früher oder später zwei Trägertiere miteinander verpaart werden und die Erkrankung bei den Nachkommen auftritt. Je nach Erkrankung kann das schon im Lebensalter von wenigen Wochen sein, oder erst mit mehreren Jahren.
Im ersten Fall sollte klar sein, diese Verpaarung nicht zu wiederholen und - sollte es einen Gentest geben - die Elterntiere nur noch mit freien Partnern zu verpaaren. Gibt es keinen Gentest, sollte man ernsthaft erwägen, beide Elterntiere aus der Zucht zu nehmen, da die Mutation sonst unaufhörlich weiterverbreitet wird uns es nur eine Frage der Zeit ist, bis wieder zwei Träger zusammentreffen.
Im zweiten Fall ist es natürlich viel schlimmer. Bis ein Nachkomme mit mehreren Jahren erkrankt und die Erkrankung (wenn überhaupt) mit der Erbkrankheit in Verbindung gebracht wird, sind durch Zuchteinsatz der Elterntiere oder Geschwister schon sehr viel mehr Trägertiere und sogar positive Tiere, die sie noch nicht ausgeprägt haben, entstanden. Alle diese Tiere nun zu finden und zu kastrieren ist aber kaum möglich und für die Rasse - Stichwort Genpool - auch nicht gesund.
Dazu kommt, dass manche Erkrankungen nur in einer Sektion nachgewiesen werden können (und es werden bei weitem nicht alle Tiere seziert), und selbst dann ist es, wenn aus der Linie nicht schon etwas bekannt ist, fraglich, ob die Erkrankung wirklich durch eine Genmutation hervorgerufen wurde, oder ob sie unabhängig davon aufgetreten ist, was bei einigen Krankheiten möglich ist.

Bei der Verhinderung von rezessiven Erbkrankheiten kann also im Grunde nur ein Gentest helfen.
Glücklicherweise gibt es davon schon einige und es werden immer mehr entwickelt. Natürlich sollte man bei einem Gentest nicht überreagieren und alle Trägertiere aus der Zucht nehmen. Diese können bei einer Krankheit, die nur bei einem Prozent der Tiere einer Population auftreten, rund ein Fünftel der Population ausmachen! Sie auszuschließen, wäre fatal!
Aber es ist wichtig zu wissen, welche Tiere Träger sind, um Verpaarungen von zwei Trägern zu vermeiden. Träger können uneingeschränkt mit freien Tieren verpaart werden und ist die komplette Population getestet, so muss die Krankheit nie wieder auftreten.
Im Interesse verantwortungsvoller Zucht ist es aber natürlich erstrebenswert, nach einigen Generationen die Mutation auch im Genpool zurückgedrängt zu haben, also die Zahl der Träger durch überlegte Zuchtauswahl zu verringern.

Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft alle Züchter Gebrauch von Gentests als wundervoller Möglichkeit der Verbesserung der Gesundheit unserer Rassekatzen machen und sich das "Testen" als Qualitätsmerkmal verantwortungsvoller Zucht weiter etablieren wird.

Hier finden Sie Artikel zu spezifischen Erbrkrankheiten, die per Gentest oder durch eine andere Untersuchung (z.B. Ultraschall) nachgewiesen werden können, auf unserer Homepage:

Natürlich darf man nicht vergessen, dass es neben den nachweisbaren Erbkrankheiten noch sehr viele andere Kriterien zur Selektion auf Gesundheit gibt, zum Beispiel ein gutes Immunsystem, gute Fruchtbarkeit und Freiheit von Infektionskrankheiten - und natürlich das Wesen und auch Typ und Farbe bei der Auswahl einer Zuchtkatze berücksichtigt werden wollen.
Dennoch sollten Gentests und die nach ihnen erfolgende Wahl einer Zuchtkatze bzw. einer Verpaarung mit an vorderster Stelle stehen, denn hier ist der Punkt, an dem der Züchter aktiv auf die Gesundheit der Kitten Einfluss nehmen kann.